DigitalisierungMeinung

Insights von der „etventure-Studie Digitale Transformation 2018“

Digitale Transformation

Die etventure hat erst kürzlich ihre neueste Studie veröffentlicht: Digitale Transformation 2018. Da dies nun schon das dritte Jahr in Folge ist, ist es Zeit für einen Vergleich mit 2016 und 2017.

 

Wie weit sind wir in Deutschland nun wirklich mit der Digitalisierung?

 

Wie Sie wahrscheinlich wissen, hat evtenture in allen drei Jahren für ihre Studien deutsche Großunternehmen mit einem Mindestumsatz von jährlich 250 Mio. Euro befragt. Lassen sich die Ergebnisse auch auf den deutschen Mittelstand ausweiten?  

 

Die digitale Transformation und der deutsche Mittelstand 

Während es in 2016 noch eher negativ aussah, weil das Thema von vielen Firmen unterschätzt wurde, und laut etventure Deutschland auch in 2017 noch mit der Digitalisierung fremdelte, sieht es 2018 schon etwas positiver aus. Die Unternehmen sehen die Digitalisierung mehr und mehr als wichtig an. Aber ein Problem gibt es weiterhin: bei der Umsetzung hakt es noch und die Unternehmen sind sich dessen nicht einmal bewusst.  

 

Digitale Transformation als Priorität? 

Stetige 5-6% der befragten Unternehmen sagen, dass die digitale Transformation das wichtigste Thema auf der Prioritätenliste ihres Unternehmens ist. Das hat sich über die Jahre nicht verändert. Die Anzahl der Unternehmen, die sagen, dass die digitale Transformation zu den Top 3 Themen gehört, hat sich allerdings rasant nach oben entwickelt. In 2016 waren es nur gut 1 von 3 Unternehmen, die die digitale Transformation in die Top 3 eingeordnet haben und in 2018 sind es schon fast 6 von 10 Unternehmen.  

 

Quelle: Digitale Transformation 2018, eventure 

 

Meiner Meinung nach lässt sich diese Feststellung auch auf den deutschen Mittelstand übertragen. In den meisten Firmen für welche ich tätig war oder bin, hat die digitale Transformation über die letzten Jahre stark an Bedeutung gewonnen. Erkennen lässt sich das für mich daran, dass wir nicht nur vermehrt Diskussionen über notwendige Veränderungen führen, sondern entsprechende Projekte konkret planen und in die Umsetzung bringen.  

 

Hürden der digitalen Transformation 

Wenn es um die Hürden der digitalen Transformation geht, hat sich insgesamt weniger getan. Die beiden größten Hürden in allen drei Jahren sind die Verteidigung bestehender Strukturen und die fehlende Erfahrung bei nutzerzentriertem Vorgehen. Gesunken seit 2016 sind stattdessen als Hürden der Zeitmangel und die Scheu vor notwendigen weitreichenden, radikalen und disruptiven Entscheidungen. Seit 2016 stark zugenommen haben laut den befragten Unternehmen blockierende Sicherheitsanforderungen, dass das Unternehmen zu unflexibel und langsam geworden ist und dass es zu viele Entscheidungsebenen gibt. 

 

Was den deutschen Mittelstand angeht, sieht es dort meiner Erfahrung nach ziemlich ähnlich aus. Weil allerdings die Firmenstrukturen oft weniger definiert sind als in großen Unternehmen und oft eine Stelle gleich mehrere Aufgaben übernimmt, sind meiner Meinung nach der Zeitmangel und die Scheu vor dem Neuen noch mehr vertreten. Auch für mich zeigt es sich, dass kleinere Mittelständler der Digitalisierung gegenüber zwar sehr offen sind und hier aktiv werden wollen. Dennoch haben diese Unternehmen sehr stark mit den Hürden zu kämpfen bzw. sind diese Hürden teilweise unüberwindbar. 

 

Steuerung der digitalen Transformation 

Die Steuerung der digitalen Transformation hat sich definitiv in die höheren Geschäftseben verlagert. In 2016 waren es nur 48% der Unternehmen, die sagten, dass die digitale Transformation von der Geschäftsführungsebene bzw. dem CEO/Geschäftsführer gesteuert würde. Im Jahr 2017 waren es schon 59%. Und in 2018 sind wir nun bei 68% gelandet.  

 

Quelle: Digitale Transformation 2018, eventure 

 

Im kleineren Mittelstand ist der Geschäftsführer oder Inhaber meist direkt in alle strategischen Entscheidungen involviert. In größeren mittelständischen Firmen ist das bereits weniger der Fall. Dort haben die Leiter einer Abteilung bereits mehr Handlungs- / Entscheidungsfreiraum. Deswegen schätze ich die Prozentzahl im Mittelstand als eher noch höher ein.

 

Wenn es jedoch um die wenigen Unternehmen geht, bei denen die digitale Transformation noch nicht angekommen ist, dann hat das natürlich auch einen negativen Kehrschluss. Wenn die digitale Transformation im Mittelstand nicht „Chefsache“ ist, dann findet sie wahrscheinlich gar nicht erst statt. 

 

Zusammenarbeit mit Startups 

Auch hier gibt es einen klaren Trend: immer mehr Unternehmen arbeiten schon mit Startups zusammen bzw. planen eine Zusammenarbeit mit Startups. In 2018 sind es nur noch 47% der Unternehmen, die eine solche Zusammenarbeit nicht mindestens in Planung haben. 

 

Quelle: Digitale Transformation 2018, eventure 

 

Meine persönliche Einschätzung ist, dass der etablierte deutsche Mittelstand sich schwer damit tut mit jungen Startups zusammenzuarbeiten. Hier spreche ich gerade strukturschwächere, traditions- und lokal verbundene Regionen an; nicht die wirtschaftlich starken Ballungszentren. Ich hoffe allerdings, dass sich auch die Unternehmen in den traditionellen und „heimatverbundenen“ Regionen zukünftig mehr für die jungen Unternehmen öffnen und sich auch hier wertvolle Kooperationen entwickeln. Besonders im Mittelstand wo es oft pragmatischen und unkonventionellen Lösungen bedarf, könnte durch solche Zusammenschlüsse viel erreicht werden. 

 

Fazit 

Wie Sie sehen hat sich im Bereich Digitalisierung in den letzten Jahren einiges getan. Und weitere Änderungen der Geschäftslandschaft durch die Digitalisierung werden auch gerade im Mittelstand die Firmen noch einige Zeit beschäftigen. Aber die Tatsache, dass der digitale Wandel immer mehr an Stellenwert gewinnt und von immer mehr Geschäftsführern selber in die Hand genommen wird, lässt mich positiv in die Zukunft blicken.

 

Was meinen Sie dazu? Sind Sie selber Mittelständler und haben andere Erfahrungen gemacht?

 

Über einen regen Austausch auf Twitter oder in den Kommentaren würde ich mich freuen.  

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